Herrn

fragt zwei Dinge:
1. ob ich der (ersatzlosen) Abschaffung der Psychiatrie, wie im Saarland, zustimmen würde. Ich würde das nicht. Die psychiatrische Akutbehandlung in den luxemburgischen Allgemeinkrankenhäusern ist ebenso notwendig wie die psychiatrische Rehabilitation im CHNP. Beides ist nicht abzuschaffen. Die aktuelle Ausrichtung der psychiatrischen Versorgung ist meines Erachtens auf dem richtigen Weg.
2. dadurch, dass die Frage gestellt wird, was man gedenkt zu tun, um der Gefahr Herr zu werden, welche von nicht betreuten psychiatrischen Patienten ausgehe, wird die erste Frage (Abschaffung der Psychiatrie), vom Fragesteller selbst negativ beantwortet. Pschychiatrische Erkrankung braucht Therapie und Begleitung. Es werden differenzierte Betreuungsmöglichkeiten gebraucht, vor allem mehr betreute Wohnplätze, offene Therapieplätze, Arbeitsplätze, ambulante Hilfsdienste und Langzeitbetreuung durch Bezugspersonen. Alle diese Massnahmen sind in die Wege geleitet. Es wird noch Jahre dauern bis sie in ausreichendem Masse zur Verfügung stehen.
Meiner Meinung nach fehlt es an einer gegebenfalls koerzitiven Betreuungsmöglichkeit. Alleine durch das Absetzen von Medikamenten kann es schnell zu einer Einschränkung der Entscheidungsfähigkeit und der sozialen Integration kommen. Die eigene Gesundheit des Patienten und seines Umfeldes kann gefährdet sein. In diesen Fällen müssen die Bezugspersonen schnell und zuverlässig reagieren und Massnahmen einleiten können. Die aktuelle Internierungsregelung stösst hier an ihre Grenzen und ist für alle Betroffenen schmerzhaft.
Ebenfalls ist die weiter Dezentralisierung der psychiatrischen Betreuung voranzutreiben. Der Bericht von Professor Rössler weist darauf hin, und fordert z.B. auch eine Dezentralisierung ausserhalb der Umgebung Ettelbrücks, einem Ort der an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit angelangt ist.
Dieser Bericht liefert darüber hinaus die Grundlage für weitere Bemühungen der psychiatrischen Versorgung. Die in diesem Bereich arbeitenden Menschen sind in ihrer Arbeit und Bemühungen zu unterstützen.
Jean-Paul SCHAAF
député-maire