Vum:


Guten Tag Herr Di Bartolomeo,
das Uno-Übereinkommen gegen Folter von 1984 definiert Folter als: "Jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden".
Bis zum heutigen Tag leben Dutzende von Langzeitpatienten ohne Privatspäre im CHNP, d.h. ohne soziale, sexuelle, religiöse und kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten. "Sex ist ein natürliches Bedürfnis. Wird es unterbunden, führt es dazu, dass aus Menschen gefährliche Bestien werden. (Gaston Vogel, Rechtsanwalt, Revue 40/06)
In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Patienten aus den Fenstern des Hochhauses des CHNP gestürzt. " ´Ich wurde mit Medikamenten vollgepumpt und mit Gurten angebunden, wenn ich nicht ruhig war. Selbst der Ausgang im Hof fiel aus Personalmangel oft aus´, berichtet ein Ex-Patient des HNP." (Wochenjournal ´Télécran´, 22.02.1997)
Drohungen, Einschüchterungen und der Entzug von Zuwendung haben einer Studie des Psychologieprofessors Steven Miles von der Universität Minnesota zufolge ähnliche psychische Langzeitfolgen wie körperliche Folter. Eine Unterscheidung zwischen Folter und erniedrigender Behandlung sei nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich.
Sind Sie, Herr Di Bartolomeo, bei einer Mandatsverlängerung bereit sich mit diesem für die Sicherheit und die Lebensqualität der Bevölkerung Luxemburgs, der Grossregion sowie ganz Europas wichtigen Thema unter Berücksichtigung der Erfahrungen der traumatisierten Betroffenen auseinander zu setzen? Nur so könnten Sie zur Erkenntnis gelangen, dass die Sachverhalte von früher die Realität von heute massgeblich und nachhaltig beeinflussen und dass ein autoritär-agressiver und repressiver Umgangsstil mit Patienten destruktive Kräfte weckt.
"Wir befanden uns bislang nie in der Situation, in der sich die Gewissheit durchgesetzt hat, dass das psychische Wohlbefinden genau so wichtig ist wie das körperliche."
(Mars Di Bartolomeo, Luxemburger Wort, 6.4.07)
Hochachtungsvoll


, Psychologe