Lieber Herr

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Ich bedanke mich für Ihre Frage, die sie gleichzeitig vielen anderen Kandidatinnen und Kandidaten gestellt haben. Ich kenne Sie persönlich und wei? um Ihr gro?zügiges Engagement im Interesse von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die in unserer Gesellschaft oft nur wenig beachtet werden.
Mit Ihnen zusammen freue ich mich über die unbestreitbaren Fortschritte, die in den letzten Jahren im Bereich der medizinischen und psychosozialen Betreuung von psychisch kranken Menschen erreicht wurden: Einrichtung von psychiatrischen Einheiten in allen regionalen Krankenhäusern, fachgerechte Anamnese und multidisziplinäre Diagnose, Erstellung und regelmä?ige Evaluierung von Therapie- und Betreuungsplänen, adäquatere Betreuung von demenzkranken Senioren in den Altenpflegeheimen und Pflegetagesstätten, Schaffung von spezifischen kinder- und jugendpsychiatrischen Einheiten, Gründung therapeutischer Werkstätten, Einrichtung dezentraler Einheiten für betreutes Wohnen, gezielte Unterstützung pflegender Angehöriger… Bei dieser sehr vielfältigen und durch international anerkannte Experten gestützten Entwicklung hat das "Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique", auf das Sie spezifisch hinweisen, eine wichtige Leaderfunktion übernommen.
Ich weiss, mit welch hohem Engagement Sie sich für die Menschenrechte der betroffenen Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen. Dabei müssen gleichzeitig der Anspruch auf Schutz und Bewahrung so wie das Recht auf Selbstbestimmung und soziale Partizipation beachtet werden. Das Eingreifen gegen den Willen der unmittelbar Betroffenen ist an entsprechende gesetzliche Auflagen gekoppelt.
Medizinische und psychosoziale Betreuung ist vorerst ein Angebot, das Betroffenen zur Verfügung steht. Es ist selbstverständlich die Pflicht der medizinischen und psychosozialen Einrichtungen, psychisch Kranke und ihre Angehörigen über dieses Setting zu informieren und sie, falls dies fachlich wünschenswert ist, womöglich dafür zu gewinnen. In den meisten Fällen liegt die Entscheidung aber bei dem Kranken, und dies ist für unsere Partei so auch stimmig.
Auch und besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten setzt die CSV sich dafür ein, dass die entsprechenden Angebote ausgebaut, diversifiziert und vernetzt werden: Betreuung zu Hause, Unterstützung der Familien, Begegnungsstätten, geschützte Werkstätten, gezielte soziale und berufliche Eingliederungsma?nahmen…
Aus persönlichen Gesprächen mit Ihnen wei? ich um Ihre berechtigte Sorge, Unrecht, das zugefügt und/oder erlitten wurde, als solches zu benennen und aufzuarbeiten. Es ist dies ein besonders sensibles Thema in allen Einrichtungen, deren Aufgabe darin besteht, Menschen gelegentlich auch ohne ihr Einverständnis festzuhalten und zu "behandeln". Politiker sollten Einrichtungen motivieren, ihre Geschichte kritisch zu evaluieren. Ich denke, dass dabei aber vorerst kompetente externe Fachleute gefragt sind.
Mit Ihnen teile ich die Überzeugung, dass eine menschenfreundliche Gesellschaft es sich nicht leisten darf, ihre "schwachen" Mitglieder zu vernachlässigen oder auszusondern. Dabei dürfen psychische kranke Mitmenschen nicht vergessen werden.
Mit besten Grüssen,
Mill Majerus