Sveinn Graas (Déi Lénk)
Kandidat Chamber 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Sveinn Graas
Joergang
1987
Berufflech Qualifikatioun
-
Ausgeübte Professioun
Student, Uni Tréier
Uertschaft
-
Walkrees
Osten
Landeslëschteplaatz
-
(...) Des Weiteren brauchen wir eine umfassende Humanisierung des Psychiatriewesens, wozu die ersten Schritte bereits eingeleitet wurden. Eine Katastrophe wie die psychiatrische Anstalt in Ettelbrück, wo teilweise Patienten über 20 Jahre lang unter schlechtesten Konditionen untergebracht waren, darf nicht wieder vorkommen! Es muss darum gehen, sowohl die Patienten wie auch das Umfeld zu schützen. Dies geht aber nur, wenn man dem Patienten weitestgehende Freiheiten lässt. (...)
 
Froen un Sveinn Graas
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Fro zum Thema Gesondheet
28.05.2009
Vum:

Guten Tag Herr Graas,
am 18.11.2006 sagte Herr Professor Wulf Rössler im Luxemburger Wort: "Es gibt noch eine Reihe Langzeitpatienten im CHNP, aber wir haben Probleme sie in angemessenen Wohnungen ausserhalb unterzubringen. Familienpensionen im Norden des Landes sind keine Alternative." Ich kenne Betroffene, die in solchen unbetreuten Pensionen oder auf Campingplätzen oder in anderen prekären Wohnsituationen leben müssen. Die Betreiber dieser Einrichtungen sind mit der ihnen zwangsweise auferlegten Betreuung vollkommen überfordert. Schlimmer noch: sie sind in Gefahr! Diese unbetreuten Patienten sind in ihrer Hilflosigkeit und ihrer Verbitterung eine Gefahr für sich und ihre Umwelt.
Aus internationalen Studien weiss die psychiatrische Fachwelt, dass die Gefahr eines Impulskontrollverlustes bei Patienten in solchen unbetreuten Situationen sehr gross ist. Sie werden durch diese Umstände zu lebenden Zeitbomben. Wenn diesen Menschen dann auch noch die Aufnahme in den dafür vorgesehenen Kliniken des Landes verwehrt wird, potenziert sich ihre Verzweiflung, ihre Panik und ihre Amokbereitschaft noch um ein Vielfaches! Hierbei handelt es sich meiner Meinung nach um Gewalt und Folter.
Was gedenken Sie, Herr Graas, in der nächsten Legislaturperiode zu tun um diese Gefahr für die Bevölkerung zu beseitigen?
Werden Sie sich für die Einsetzung einer Untersuchungskommission einsetzen, die die vermeintlichen Patientenmisshandlungen im luxemburgischen Psychiatriewesen untersucht?
Herr Professor Werner hat im Saarland die psychiatrische Anstalt aus menschenrechtsrelevanten Gründen abgeschafft. Werden Sie sich ebenfalls für diese Lösung einsetzen?
"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschliesst wird nicht nur blind für die Gegenwart: er wird schlichtweg unfähig zur Zukunftsgestaltung. Nur so sind Versöhnung, Vergebung, Heilung, Fortschritt möglich." (Luxemburger Wort, 8.10.07)
Hochachtungsvoll
, Psychologe, Gründer der LGSP (Letzebuerger Gesellschaft fier Sozialpsychiatrie)
Äntwert vum Sveinn Graas
4Recommandatiounen
01.06.2009
Sveinn Graas
Sehr geehrter Herr ,

Da Ihre Fragen auf Deutsch gestellt wurden, werde ich Ihnen auch auf Deutsch antworten und hoffe natürlich, dass ich Ihre Fragen richtig beantworte. Sollte es mir nicht gelingen, auf Ihre Frage zu antworten, so zögern Sie nicht, noch einmal nachzufragen.
Aufgrund meines familiären Hintergrundes bin ich immer wieder in Gesprächen mit den Realitäten des luxemburgischen Psychiatriewesens und mit den zaghaften Reformversuchen konfrontiert.
Natürlich sollten potenzielle Misshandlungsfälle von Patienten untersucht werden - und die Schaffung einer solchen Untersuchungskommission wäre eine Möglichkeit dies zu tun. Weil dies dem Wohle der Patienten natürlich sehr dienlich wäre, würde ich mich dafür natürlich einsetzen, gesetzt den Fall dass ich in das Parlament einziehe.
Des Weiteren brauchen wir eine umfassende Humanisierung des Psychiatriewesens, wozu die ersten Schritte bereits eingeleitet wurden. Eine Katastrophe wie die psychiatrische Anstalt in Ettelbrück, wo teilweise Patienten über 20 Jahre lang unter schlechtesten Konditionen untergebracht waren, darf nicht wieder vorkommen! Es muss darum gehen, sowohl die Patienten wie auch das Umfeld zu schützen. Dies geht aber nur, wenn man dem Patienten weitestgehende Freiheiten lässt. Zwangseinweisungen sollten nur noch in Ausnahmefällen und mit richterlicher Verfügung geschehen, wenn das allgemeine Wohl der Gesellschaft gefährdet ist.
Die von Ihnen erwähnten Patienten, die jetzt untergebracht werden müssen, sollten natürlich betreut werden. Wo dies zu Ungenüge getan wird, muss natürlich dementsprechend reformiert werden, damit es passiert. Inwiefern eine solche Betreuung notwendig ist muss dabei bei jedem Patienten einzeln untersucht werden.
Psychiatrische Anstalten sollten meiner Meinung nach dahingehend abgeschafft werden als dass sie zur Isolation der Patienten beiträgt. Diese aber ist der Genesung keineswegs dienlich. Deshalb sollten auch die Patienten der Psychiatrie in regulären Krankenhäusern mit psychiatrischen Abteilungen untergebracht werden und ihre Zimmer offen sein. Auch müssen sie genügend Möglichkeiten erhalten, ihre Freizeit zu gestalten.
Nur in Ausnahmefällen sollten geschlossene Anstalten noch Anwendung finden, sprich, dann wenn ansonsten massive Gefährdungen des allgemeinen Wohls vorliegen. Aber auch hier müssen innerhalb der Anstalten weitgehende Freiräume geschaffen werden, die den Patienten ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.

Hochachtungsvoll,

Sveinn Graas
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Är Fro un Sveinn Graas
D'Froenfunktioun gouf entre-temps zou gemaach.